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Sichtung

Aus dem Nähkästchen geplaudert
Sorgen und Nöte bei der Talentsuche

Nachdem ich viele Kinder im Landkreis Wolfenbüttel auf dem Tennisplatz erlebt habe, ist mein Interesse stark gewachsen, die jahrzehntelange Erfahrung als Tennislehrer weiter zu geben. Dabei stehen finanzielle Interessen nicht im Vordergrund, sondern nahezu ausschliesslich die Erkenntnis, dass die Vereine im Landkreis mit nahezu 100 Tennisplätzen, von Nachwuchsproblemen im Mitgliederbereich geplagt sind und ich die Jugendlichen als begeisterungsfähig und motivierbar kennen gelernt habe.
Die Gratwanderung bei der Ausbildung von Kindern in der Festlegung auf eine ganz bestimmten Sportart verlangt nicht nur viel Erfahrung, sondern mindestens soviel Einfühlungsvermögen in der Kommunikation mit den Kindern und deren Eltern.
Wie geht man mit der Situation um, wenn der Ehrgeiz der Eltern grösser ist, als das Potential des Kindes. Da häufig der Wunsch der Vater des Gedankens ist, müssen - oder sollten - die Kriterien zur Sichtung exakt festgelegt werden. “Bauchentscheidungen” sind zwar nicht vermeidbar, sollten jedoch nicht den Vorrang vor weniger subjektiven Beurteilungen haben, denn echte objektive Kriterien sind gerade bei sehr jungen Kindern recht schwierig heraus zu arbeiten.

Die Frage, was ist Leistungsstärke, kann ebenfalls nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beantwortet werden, da die Frage wer ein guter Tennisspieler, gute Tennisspielerin werden wird, nicht so ohne Weiteres beantwortet werden kann. Wenn jemand gut Tennis spielen kann, heisst das noch lange nicht, dass er auch erfolgreich spielen kann. In einer technisch anspruchsvollen Einzel-Sportart, wie Tennis nun einmal ist, spielt die psychische Konstitution eine erhebliche Rolle. Muss also die Schlussfolgerung sein, suchen wir zuerst stressresistente technisch weniger fähige Kinder und verhelfen wir denen zu den entsprechenden Fähigkeiten oder gehen wir den umgekehrten Weg. Müssen wir die körperlichen physischen Gegebenheiten in den Vordergrund stellen, damit der Erfolg kurz und mittelfristig erkennbar wird. Die Interpretation was denn “der Erfolg” eigentlich ist und wie er realistischer Weise erreicht werden kann, muss ebenfalls diskutiert werden.

Ein erfolgreicher Tennisspieler ist nicht der Goldmedailliengewinner wie es der Landessportbund gern hätte. Der Erfolg im Tennis wird an den Ranglisten der Verbände und der langfristigen Zugehörigkeit bei den persönlichen Klassierungen oder an dem erzielten Einkommen gemessen. Diejenigen Länder, - Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien - die Spielerlizenzen mit der persönlichen Leistungsstärke versehen, haben dabei den unschätzbaren Vorteil der erwiesenen Wettkampfstärke. Denn nur wer sich in einer bestimmten Häufigkeit dem Wettkampf stellt, kann Resultate vorweisen und bestätigen. Die Punktspiele in Deutschland sind da nur “ein Tropfen auf den heissen Stein”. Turniere in allen Leistungsstärken und Altersgruppen in der Breite sind jetzt mit den Leistungsklasse endlich möglich geworden.

Der Stress bei einem Match, den man nicht verlieren darf, ist ungleich grösser als ein Spiel nicht gewinnen zu können. Zum allgemeinen Verständnis ist zu sagen, dass ein Spieler, der seine derzeitige Klassierung nicht verschlechtern will, darf unter diesen Umständen nicht gegen einen schlechter klassierten Spieler verlieren. Wenn dieser schlechter klassierte Spieler sich auch noch einer unorthodoxen Spielweise bedient, dann ist das psychische Gerippe irgendwann derart ramponiert, dass eine annähernde Trainingsleistung, geschweige denn erfolgreiche Wettkampfleistung kaum abgerufen werden kann. Der Trainingsweltmeister gibt es viele.

Wie findet man also Jugendliche, die irgendwann vielleicht einem Ideal wie Roger Federer nahe kommen? Ein Ideal. das sympathisch in der Erscheinung, der Ausstrahlung, der Verteidigungfähigkeit, der Agressivität, die Risikominimierung, der mentale Stärke und einer totalen Vorbildsfunktion auch nur annähernd gerecht wird. Sollte uns etwas derartiges Gelingen, wir können mit dem Heiligenschein auf dem Centercourt in Ovationen baden.

 

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