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Balance

Balance ist kein Selbstzweck
Der Urinstinkt das Gleichgewicht

Physisch
Die Behauptung, dass ein wesentlicher Grund aller enforced errors (unerzwungene Fehler)
auf die mangelhafte Balance zurück zu führen ist, kann ich mit meinen bisherigen Erfahrungen voll bestätigen. Ob direktes Training nur des Gleichgewichts die Fehlerhäufigkeit reduziert, scheint jedoch einiger Massen zweifelhaft. 
Die Bedeutung eines stabilen Gleichgewichts im Moment des Ballschlagens in Bezug auf das präzise anvisieren eines Zieles wird in den Trainingskonzeptionen zu wenig berücksichtigt und stellt einen sträflich vernachlässigten Faktor dar.

Warum ist die physische Balance von grosser Bedeutung? Nach neuesten neuro-physiologischen Erkenntnissen nimmt das Gleichgewichtsgefühl in den Hirnstrukturen eine Sonderstellung ein. Die Verkümmerung oder besser die Veränderung der Menschen im Verlaufe der Evolution hat im Bezug auf das Gleichgewicht nicht im gleichen Umfang statt gefunden, d.h. das Gleichgewichtsgefühl gehört zu unseren Urinstinkten, die uns Menschen aufrecht gehen und stehen lässt. Die prioritäre Handlungsreaktion wird mit einer derartigen Aussage immer den Urinstinkt, die Balance, bevorzugen. Anders ausgedrückt: bevor ich nicht sicher und stabil stehe, werde ich nicht besonders gut zielen können.
Welche Faktoren sind jedoch für ein stabiles Gleichgewicht verantwortlich? Antwort: In erster Linie die Beinstellung, dann die Oberkörperposition, die Kopfstellung und der nicht den Schläger tragende Arm. 
Wer die Beinstellung als wichtigsten Teil des Gleichgewichts ansieht, wird einem Trainingskonzept mit durchdachter Beinarbeit das Wort reden, da hier einer der zentralsten Punkte für erfolgversprechendes Tennisspielen liegt.
Der durch den schlagende Arm sich in leichter Rotation befindliche bewegende Oberkörper wird durch das leicht gebeugte Knie, durch den Kopf in stabiler Blickrichtung auf den Ball und durch den ausgefahrenen freien Arm am Verlust des Gleichgewichts gehindert. Je enger die Beine zusammen stehen und je aufrechter sie dabei sind, um so wackliger ist die Körperlage. Das mit dem Schlag einhergehende gelegentliche Aufstehen ist der Förderung des Gleichgewichts ebenfalls nicht sonderlich dienlich und meiner Meinung nach, nur durch die ungenügende weite Ausholbewegung vor dem Treffen des Balles begründet, weil der Schwung vor dem Treffermoment besonders wichtig ist. Das derart zentrierte Körpergewicht und einem durch die Kniebeugung tiefe Körperschwerpunkt, schafft die Voraussetzung für eine stabile Lage Schlagposition. Die letzten zwei Schritte vor dem Schlagen des Balles sind für oder gegen den Verlust vom Gleichgewicht überragender Bedeutung.
Inzwischen ist auch die Wichtigkeit des verzögerten Wenden des Kopfes in Zielrichtung für die Gleichgewichtskontrolle erkannt. Zeitgemässe Trainingsformen gehen darauf ein.

 

Psychisch
Aktive Tennisspieler, besonders jedoch unsere emotionsgeladenen Tennisspielerinnen, wissen, ein Match ist nur zu gewinnen, wenn “man gut drauf ist”. Nicht umsonst nimmt die Spielfreude in der psychischen Betrachtungsweise eine besondere Rolle rein.
Das lustlose Betreiben einer Tätigkeit, besonders aber einer Sportart, wird kaum ein erfolgreiches Unterfangen generieren.
Die Konsequenz dieser Ansicht heisst Motivation, heisst Selbstvertrauen, heisst körperliche Fitness und heisst positives Denken. Das Wort Motivation kommt vom Lateinischen: movere = bewegen. Es bezeichnet einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit anderen Worten ist Motivation ein innerer Zustand, der eine Person antreibt, etwas (mit Lust und Begeisterung) tun zu wollen. Selbstgewählte Tätigkeiten wie es eine Sportart nun einmal ist, kann nie mit Zwang zum Erfolg geführt werden. Durch Motivation werden Erfolgserlebnisse erreicht, die Selbstvertrauen schaffen. Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen bedingen eine gesunde Lebensführung, Fitness genannt, die zwar nicht nur durch positives Denken erzielt wird, sondern wesentlicher Teil davon ist. A pro po, Selbstvertrauen ist nicht mit Überheblichkeit gleichzusetzen.

Tennis als Intervall dominierter Sport lässt reichlich Gelegenheit der Konzentration ein Schnippchen zu schlagen, die Gedanken mit Nebensächlichkeiten derart in Aufruhr zu versetzen, dass die eigentliche aktive Bewegung zweitrangig wird.
Mentale Trainingsformen nehmen immer häufiger deswegen breiteren Raum ein und entlasten die extensiven Bewegungtrainings mit den schädlichen gesundheitlichen Folgeerscheinungen wie durch die Überlastung einzelner Körperteile. 
Vielfältigste Rituale, besonders vor dem Aufschlag, sind nicht mehr und nicht weniger Ablenkungsmanöver, die nur den Zweck haben, das Denken auf die Technik des Spiels zu konzentrieren.
Ärger im Beruf, Trauer und Streit in der Familie, gesundheitliche Probleme, aber auch falsche Ernährung und unzureichender Schlaf sind für die disharmonische Balance verantwortlich.

Die Forscher der Universität Texas vermuten, dass positive Gefühle über chemische und neuronale Reaktionen direkt den Gesundheitszustand eines Menschen beeinflussen können und – auf indirektem Wege – auch die intellektuellen, körperlichen, psychologischen und sozialen Ressourcen eines Menschen vergrössern.

Wer kennt sie nicht, die “Trainingsweltmeister”, die in einem wichtigen Match nicht annähernd an ihr vorhandenes technische Potential anknüpfen können? Eine Frage des Kopfes ist auch der Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten. Das ehrliche Analysieren der eigenen Fähigkeiten und der nötige, aber positiven Umgang damit, kann häufig den eigenen Erfolg beflügeln.
Der Mensch im Gleichgewicht wird Fehler konstruktiver verarbeiten können als andere! Weil Fehler Kernbestand des Tennisspiels sind, stellt sich die Frage, wie mit Fehlern angemessen umgehen. Was können wir tun, damit uns unsere Fehler nicht mehr aus der Bahn werfen? Der nächste Ball ist sowieso immer wichtiger als der letzte Fehler.

Den Geheimnisse des psychischen Gleichgewichtes auf die Spur zu kommen, kann eigentlich nur individuell gelingen, denn wie der einzelne Mensch geprägt ist, kann nur durch Selbsterfahrung dann in die richtige Richtung geleitet werden.
Wer bin ich und wie denke ich, dieses Wissen ist bereits ein gangbarer Weg zu einer “ausbalancierten” Persönlichkeit, zu einem erfolgreichen Tennisspieler, einer erfolgreichen Tennisspielerin. 

 

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